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on the german magazine eigentümlich frei.

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welcoming a new sponsor.

 
| Ausgabe 992 / Dezember 2011Titelgeschichte |
Sie nannten sie Dagny
Schönheit, sagt die Schönheitskönigin, ist eine Illusion.
Und gibt sich desillusioniert: sie liest am liebsten Ayn Rand, ist überzeugte Kapitalistin und zieht gerade ihr neues
Geschäft auf. Ihre Heldin ist ihre Grossmutter, eine Unternehmerin aus dem Südural. Wer ist Xenia Tchoumitcheva?

Von René Scheu, Xenia Tchoumitcheva


Frau Tchoumitcheva, Monat für Monat schreiben Sie für uns eine Kolumne mit dem Titel «Kultur leben». Das ist viel Fleissarbeit, oder moderner: Schreibstress. Warum tun Sie sich das an?
Ganz einfach: in Ihrem Magazin treffe ich auf ein breites Zielpublikum, das sich von meiner gewöhnlichen Fanbasis unterscheidet. Es gibt da Professoren, Politiker, Kreative, die sich für das interessieren, was ich denke. Unternehmer und Leute aus der Finanzindustrie, die meinen Track Record kennen. Journalisten, die von Berufes wegen verfolgen, was ich schreibe. Ich mag es, diese Leute zu überraschen und sozusagen mit Stil vor den Kopf zu stossen. Letztlich geht es mir jedoch um eine private, persönliche Befriedigung. Ich bin nicht nur das Showgirl, sondern habe auch eine intellektuelle Seite.
Sie befassen sich mit der Männerwelt, pflegen aber bewusst eine Frauenperspektive. Adressieren Sie Ihre Texten, anders als im Showbusiness, an ein vorwiegend weibliches Publikum?
Klar, warum nicht? Frauen brauchen in mir keine Rivalin zu sehen, sondern können sich in mir wiedererkennen. Ich bin eine von ihnen, eine, die sich im Berufsleben durchsetzt, die sich Gedanken über das macht, was sie sieht, wenn sie durch die Weltgeschichte reist. Ja, vielleicht könnte man sagen: ich biete eine kritische Frauenperspektive auf eine Welt, deren kulturelle und berufliche Standards von Männern definiert werden.
Sie haben sich gut überlegt, ob Sie als Kolumnistin bei uns auftreten wollen. Ihre Antwort liess an Klarheit nichts zu wünschen übrig: ich bin dabei, aber nur, wenn ich in jeder Ausgabe schreiben kann.
Entweder richtig oder gar nicht, das ist eines meiner Leitprinzipien. Ich habe keine Mühe damit, in der Öffentlichkeit zu stehen. Ich fürchte mich nicht vor dem Urteil der anderen. Ich stehe zu meiner Meinung. Aber nun hätte ich eine Frage, die mich brennend interessiert.
Nur zu.
Wie sind Sie eigentlich auf mich gekommen? Ich schreibe zwar ab und an für Magazine, aber da geht es mehr um Luxus und Lifestyle.
Sie haben auf Ihrem Blog in extenso Friedrich Nietzsche und Ayn Rand zitiert. Und Sie haben einige Interviews gegeben, in denen Sie ziemlich keck auftraten.
Geben Sie es zu: Sie wollten Aufmerksamkeit mit meinem Namen erzielen. Neben all den Schriftstellern, Unternehmern und Politikern eine ehemalige Miss, die über das Showleben nachdenkt, das ist ein reizvolles Spiel für den Herausgeber!
Gewiss, ein wenig Glamour kann nicht schaden. Sogar die Boulevard-presse hat wegen Ihnen über uns berichtet. Aber im Ernst: wie halten Sie es mit der Lektüre? Gehören Sie zu jenen stets leicht abgelenkten Zeitgenossen, die lieber einzelne Passagen als ganze Bücher lesen?
Erst mal: ich lese gerne und viel, richtig gerne und richtig viel. Aber ja, es stimmt, mir kommt Nietzsches aphoristischer Stil entgegen. Lesen, aufblicken, nachdenken, lesen, aufblicken nachdenken, das ist ein guter Rhythmus. Ansonsten habe ich mir gelobt, alle Bücher, die mich interessieren, auch zu Ende zu lesen. Manchmal lasse ich mir dafür einfach die nötige Zeit.
Ayn Rand hat mächtige Wälzer geschrieben.
Aber es sind zumeist Romane, die sich gut lesen. Bei Ayn Rand ist eine spezielle Aura im Spiel, da gibt es einen mythischen Zusammenhang mit meinem Leben. In den Gesprächen der Soulmates, die ich in den letzten Jahren in unterschiedlichen Zusammenhängen auf unterschiedlichen Kontinenten getroffen habe, stellte sich am Ende stets heraus: uns verbindet, dass wir Ayn Rand lesen, «The Fountainhead» oder «Atlas Shrugged». Ich kann nicht glauben, dass das ein Zufall ist.
Zieht Ayn Rands Freiheitslehre und Philosophie des Objektivismus junge ambitionierte Geschäftsfrauen an?
Absolut. Hier wird ein Individualismus gepriesen, der im Widerspruch zum herrschenden Kollektivismus unserer Gesellschaft steht, ein Realismus, der sich über das Wunschdenken der Angepassten erhebt. Das ist wohltuend und wirkt auf mich anziehend.
Dagny Taggart, die Hauptfigur im Roman «Atlas Shrugged»…
…ein guter Kollege in London, mit dem ich die Wohnung teilte, ein junger Unternehmer, nannte mich immer Dagny. Dagny ist eine meiner Heldinnen, auch wenn sie, ehrlich gesagt, ziemlich trocken ist. Ein wenig zu trocken für meinen Geschmack. Es fehlt ihr die Lockerheit.
Ayn Rand war ziemlich verbissen. Auch Nietzsche ist nicht unbedingt eine Ausgeburt der Lebensfreude.
Aber er hat sich einen zynischen Blick auf die Welt antrainiert, in dem ich mich zuweilen wiedererkenne. Wenn ich seine Texte lese, höre ich mich oft zu mir selber sagen: mein Gott, dieser Mann bringt das, was ich immer schon dachte, perfekt auf den Punkt! Dasselbe Lektüreerlebnis habe ich zuweilen auch bei Schopenhauer. Diese Klarheit des Denkens, die beeindruckt mich.
Sie haben also ein platonisches Konzept von Lektüre: Wissen bedeutet, sich an die ewigen Ideen zu erinnern. Fast ein wenig zu schön, um wahr zu sein, zu poetisch sozusagen, oder?
So habe ich das nicht gemeint. Es ist eine metaphysische Frage, aber dennoch – ich glaube nicht, dass wir eingeborene Ideen in uns haben, die wir im Laufe des Lebens entdecken. Ich habe diese Autoren einfach für mich entdeckt. Sie bringen mich weiter.
Mögen Sie denn Poesie?
Früher schon. Als ich klein war, habe ich viele Gedichte geschrieben. Einmal habe ich sogar einen Preis gewonnen.
Erinnern Sie sich an das prämierte Gedicht?
Ja. Thema war das Alter: Stremate le tue fragili mani sono / lo sguardo dolcemente arreso / la stanchezza t’ha rapito / l’inverno lento va. Das Altern, die Erfahrung, das erkenne ich immer mehr, spielt eine wichtige Rolle. Wie jemand denkt, das ist immer auch die Frage danach, was jemand erlebt hat. Und vor allem: was er aus dem Erlebten macht.
Die letzte Ergänzung ist wichtig. Sonst ist es mit den Individualisten Nietzsche und Rand nicht weit her.
Wir haben Einfluss darauf, was uns widerfährt. Der Zufall ist ein wichtiger und auch fairer Teil des Lebens – er behandelt uns alle mit der gleichen Gleichgültigkeit. Entscheidend ist aber, was wir mit dem anstellen, was uns widerfährt, wie wir es deuten und einordnen. Und hier spielt eben die individuelle Einstellung eine wichtige Rolle. Diese Fähigkeit des Reflektierens können wir trainieren, indem wir an uns arbeiten. Immer wieder, unaufhörlich.
Das wiederum klingt nach Ayn Rand, also leicht verbissen.
Überhaupt nicht. Sich zu verbessern, sein Bewusstsein zu schärfen, seine Ideen umzusetzen, das ist es doch, was das Schöne am Leben ausmacht.
Ich habe gedacht: Xenia Tchoumitcheva glaubt ans Schicksal.
Wie kommen Sie denn darauf?
Ich bin wohl einem Boulevardklischee aufgesessen.
Sieht so aus! (lacht) Ich habe eine simple Sicht der Dinge: wir befinden uns stets in einer Situation, für die wir nichts können, finden sozusagen einen Strauss von Optionen vor, aus denen wir auswählen. Entscheidend ist, was wir auswählen und was wir daraus machen. Am Anfang steht die persönliche Entscheidung, etwas zu tun oder eben nicht zu tun. Wir durchschauen oft nicht, welche Folgen unser Handeln hat, aber es bleibt unser Handeln. Diese Einsicht, die die persönliche Verantwortung betont, wirkt auf mich befreiend. Sie transportiert die Botschaft: du bist nicht machtlos, deine Entscheidungen verändern den Gang der Dinge, egal ob du willst oder nicht. Darum sage ich: wenn ich den Gang ohnehin verändere, dann tue ich dies gleich auf Anhieb mit vollem Bewusstsein.
Hier spricht die Karrierefrau.
Es steht mir wohl ins Gesicht geschrieben, und ich strenge mich auch nicht an, es zu verbergen: ich bin ambitioniert. Ich bin nie zufrieden mit dem Erreichten, ich will stets noch mehr erreichen. Das Sich-nicht-Zufriedengeben ist des Menschen Antrieb und die Trägheit, die Bequemlichkeit, die Gewohnheit sein grösster Feind. Dennoch bin ich nicht unzufrieden – ich freue mich auf das, was kommt. Und ich weiss: es könnte alles viel schlimmer sein, als es tatsächlich ist. Das ist ja auch irgendwie beruhigend.
Nun sprechen Sie wie eine Frau mit 60.
Finden Sie? Das sind einfach die Gedanken, die mir durch den Kopf gehen. Sie finden das altklug?
Eher abgebrüht, zu abgebrüht.
Damit kann ich leben.
Sie stammen aus einer Unternehmerfamilie. Wie stark hat Sie dieser Hintergrund geprägt?
Meine Grossmutter väterlicherseits war eine eiserne Frau, stark, bestimmt, von grosser Willenskraft. Sie hat in Magnitogorsk im Südural zu Zeiten der Sowjetunion eine grosse Fabrik geleitet. Es gab da bloss zwei Dinge: Stahlerzeugung und Eishockey. Ein hartes Business, aber sie hat sich durchgesetzt. Und ich fühle mich ihr seelenverwandt.
Und der Mann Ihrer Grossmutter?
Ihr Mann war ihr Mann. Sie leitete die Fabrik. Ihr Sohn, also mein Vater, war ebenfalls Unternehmer in der Stahlbranche, zuerst in der Sowjetunion, später, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, in der Schweiz. Es waren unternehmerische Überlegungen, die dafür sorgten, dass ich heute Italienisch spreche. Mein Vater konnte zwischen Los Angeles und Lugano wählen und entschied sich unter gütiger Mitwirkung meiner Grossmutter für die Schweiz. Sie wollte, dass ich in einem guten Umfeld aufwachse. Im nachhinein hat sich gezeigt: es war die richtige Entscheidung.
Ayn Rand, eigentlich Alissa Sinowjewna Rosenbaum, hatte ebenfalls russische Wurzeln. Identifizieren Sie sich auch biographisch mit ihr?
Identifizieren? Das nicht. Aber ich lasse mich von ihr inspirieren. Ayn Rand wanderte in die USA aus, und ihr radikaler Individualismus war gewiss auch eine Reaktion auf den russischen Kollektivismus. Sie propagierte die Unabhängigkeit und die Freiheit des Menschen, das Prinzip der Produktivität und die Vorstellung, dass man sich die Dinge im Leben verdienen muss. Ayn Rand war eine Kämpferin.
Sie sind 1989 geboren, kurz vor dem Fall des Eisernen Vorhangs. Kennen Sie den Sozialismus noch aus den Erzählungen Ihrer Eltern?
Mein erster Pass lautete auf Xenia Tchoumitcheva, Bürgerin der Sowjetunion. Ich habe ein Jahr meines Lebens dort gelebt, und meine Grosseltern tun es noch immer. Gut, diese Vergangenheit gehört zu mir, damit setze ich mich auseinander. Meine Mutter hat sich einen sozialistischen Habitus bewahrt, sie hat eine Art instinktiven Widerwillen gegen die Marktwirtschaft und einen starken Glauben an den Staat. Sie ist Kind ihrer Zeit, wie wir alle. Mein Vater ist das pure Gegenteil – die Unternehmer der ersten Stunde, die aus der Sowjetunion kamen, sind Oberkapitalisten, Verehrer des freien Marktes, weil sie dank ihm schnell viel gutes Geld verdient haben. Die Frage ist, ob sie das, was sie günstigen geschichtlichen Umständen verdanken, in einer allzu einfachen Weise dem Kapitalismus zuschreiben.
Sozialismus oder Kapitalismus – das war für Sie schon früh die Frage?
Ich bin eine überzeugte Kapitalistin und Individualistin. Das sorgt für Reibung mit meinen Eltern. Für sie war zum Beispiel immer klar, dass sich die Kinder irgendwann um sie kümmern werden. Die Familie war in der Sowjetunion überlebenswichtig, sie war eine Art Lebensversicherung. Das sehe ich anders. Ich liebe meine Eltern und unterstütze sie. Aber ich führe mein eigenes Leben und habe mein eigenes Business – gänzlich unabhängig von ihnen.
Sie halten nicht viel vom Konzept der Familie?
Im Gegenteil – ich halte sehr viel davon! Nur sind die Kinder nicht für die Eltern da. Die Werte und Prinzipien menschlichen Zusammenlebens sind fundamental. Die Familie, Freunde, ich wüsste nicht, wie ich ohne sie glücklich sein könnte. Zugleich hat aber jeder sein Leben, seine Aktivitäten, seine persönlichen Präferenzen, sein Business. Es ist letztlich ein freiwilliges Geben und Nehmen unter Individuen.
Sie führen die Familie auf die Tauschrelation zurück…
…wir haben die Tendenz, unsere Gefühle zu verklären, zu mystifizieren. Ich bin mir nicht sicher, ob familiäre und freundschaftliche Gefühle nicht einfach rational sind. Es ist wichtig, jemanden zu haben, auf den man sich zu 100 Prozent verlassen kann – also kann er sich auch auf mich zu 100 Prozent verlassen. Das kann der Vater, die Mutter oder ein guter Freund sein.
Egoismus als Tugend?
Ja, warum nicht? Sehen Sie, der Altruismus ist doch auch nur eine raffinierte Form des Egoismus: du gefällst dir darin, eine uneigennützige Tat zu vollbringen, was beweist, dass die uneigennützige Tat eigentlich eine eigennützige war. Aber dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Ein aufgeklärter Egoismus macht die Welt besser, nicht schlechter, wie viele glauben.
Viele Ihrer Fans dürften dies anders sehen. Kapitalismus ist nicht gerade en vogue. Leider.
Ein weites Feld und ein schwieriges Thema. Ich frage Sie: läuft im Kapitalismus alles sauber? Nein. Liefen im Kommunismus die Dinge gut? Noch viel weniger. Letztlich ist es doch so, dass es stets eine Elite gibt, die das Sagen hat. Die grosse Masse regt sich darüber auf, folgt ihr aber letztlich blindlings, bis es irgendwann kracht. Und dann geht die ganze Geschichte wieder von vorne los.
Da ist er wieder, Nietzsches Zynismus.
Nennen Sie es Zynismus, vielleicht ist es aber auch bloss Realismus. Es wird stets eine Minderheit geben, die über eine Mehrheit herrscht, in allen möglichen Systemen. Natürlich ist die Demokratie die beste Regierungsform, weil sie allen Bürgern Partizipationsmöglichkeiten bietet. An der Grundkonstellation aber ändert das nichts. Viele Menschen lassen sich gerne treiben, andere schwimmen mit. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Das muss letztlich jeder selber für sich entscheiden.
Mit einer solchen Argumentation ebnen Sie auch die Unterschiede zwischen Kapitalismus und Sozialismus ein.
Keineswegs. Im Kapitalismus sind die Menschen frei. Sie werden sozusagen durch Glücksversprechungen verführt. Im Sozialismus werden sie gezwungen, sich dem Machtwillen anderer unterzuordnen. Ich ziehe Freiwilligkeit dem Zwang vor. Darum ist Bildung, oder besser: Selbstbildung, wichtig. Wir haben die Möglichkeit, die Mechanismen zu durchschauen und unser Leben so zu gestalten, wie wir wollen. Darum geht es letztlich.
Haben Sie darum Ihr Angestelltendasein bei JPMorgan aufgegeben?
Genau. Dieses Dasein ist nicht für mich gemacht, und deshalb habe ich meinen Dienst quittiert. Ich arbeitete hart, und ein Grossteil dessen, was ich in der kurzen Zeit meiner Anstellung an Mehrwert generieren konnte, ging in die Kasse der Bank. Das widerspricht meinem Leistungsdenken. Wenn ich Mehrwert schaffe, dann will ich auch, dass dieser Mehrwert mir zukommt. Das Jahr bei JPMorgan hat mich dennoch weitergebracht. Ich habe meine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse vertieft, neue Kontakte geknüpft…
…aber nun sind Sie doch wieder eine Ich-AG, die im Showbusiness tätig ist.
Ich verdiene hier wieder gutes Geld, ja. Ich bin, so würde ich das nennen, die Unternehmerin meiner selbst. Ich habe Leute, die mir helfen, Buchhaltung, Administration, Rechtsberatung und so. Aber sonst arbeite ich allein und auf eigene Rechnung. Das wird sich in Zukunft ändern. Ich werde mein eigenes Business aufziehen.
Welches Business?
Das kann ich noch nicht sagen, weil die Sache noch nicht spruchreif ist. Es ist eine grössere Geschichte in der Retail-Branche mit einem guten Investor.
Eine eigene Parfüm- oder Modelinie?
Das wäre zu einfach: irgendein Produkt, dazu mein Name, die Kombination verkaufen, that’s it. Das ist klassisches Branding, ein wenig banal und in meinem Fall auch ziemlich schwierig, weil es um reines Marketing geht. Du musst ins Marketing investieren, deinen Namen promoten, auch im Ausland, was in meinem Fall noch nicht erfolgversprechend wäre. Ich will vielmehr etwas Besonderes kreieren, etwas, in dessen Produktion und Distribution mein Wissen, meine Erfahrung einfliesst: ein eigenes Produkt, das zu mir passt. Es geht also auch um mich, in erster Linie aber geht es um die Substanz, also um das Produkt, das ich unter die Leute bringen will. Dieses Produkt werde ich in der Schweiz testen, aber auf der ganzen Welt vertreiben. Ich liebe die Schweiz, aber sie ist klein, der Markt fragmentiert.
Haben Sie sich schon überlegt, Ihr Glück in Hollywood zu versuchen?
Ich habe schon Filme gemacht, und ich kenne da mittlerweile einige interessante Leute. Aber ich bin keine geborene Schauspielerin und habe bisher auch nicht ein halbes Leben in diesen Beruf investiert. Meine schauspielerischen Möglichkeiten sind beschränkt. Kommt hinzu, dass das Hollywood-Umfeld, das ich kenne, stark von Männern dominiert ist. Ich treffe die Leute gerne in privatem Rahmen, aber dort zu arbeiten, ist für eine Frau ziemlich mühsam. Eine Frau muss in Hollywood wissen, was sie will, sonst hat sie rasch ein Problem.
Klingt nicht besonders sympathisch. Wie gehen Sie vor?
Ich bin durchaus offen für interessante Aufträge, denn sie passen zu meinem bisherigen Business, der Werbung. Doch gibt es Grenzen, die ich nicht überschreite. Ich mache keine schmutzigen Geschichten. Das übliche Hollywood-Spiel spiele ich, im Gegensatz zu vielen bekannten und talentierten Künstlerinnen, nicht mit. Aber klar: ich fühle mich geschmeichelt, wenn Regisseure und Produzenten, mächtige, aber zuweilen auch schlüpfrige Figuren, um meine Gunst werben. Das tut meinem Ego gut. Meinen Prinzipien bleibe ich dessen ungeachtet treu.
Ihr Ego sollte Ihnen doch keine Probleme bereiten. Immerhin sind Sie schön und waren 2006 Vize-Miss Schweiz…
…ich gelte als schön.
Wo ist der Unterschied?
Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters.
Brav gesagt, politisch korrekt. Aber glauben Sie das wirklich?
Was als schön gilt, wird in unterschiedlichen sozialen Kontexten und unterschiedlichen geschichtlichen Epochen unterschiedlich beurteilt. In den 1950er und 1960er Jahren war Jeanne Moreau das Ideal, heute ist es Gisele Bündchen, morgen ist es jemand anders, eine Frau, die wir heute nicht als schön taxieren würden.
Die objektive Schönheit – eine Illusion?
Ich würde sagen: eine schöne Illusion.
Sie machen mit in diesem Spiel der Illusionen.
Klar. Marketing ist Illusion. Sind Illusionen etwas Schlimmes? Nein, denn es geht um Träume. Sind Träume etwas Schlimmes? Nein, denn sie machen uns glücklich. Nicht immer. Aber manchmal. Und dann müssen wir wieder aufwachen und unser Bewusstsein schärfen. 

Ausgabe 992 / Dezember 2011Titelgeschichte |

Sie nannten sie Dagny

Schönheit, sagt die Schönheitskönigin, ist eine Illusion.

Und gibt sich desillusioniert: sie liest am liebsten Ayn Rand, ist überzeugte Kapitalistin und zieht gerade ihr neues

Geschäft auf. Ihre Heldin ist ihre Grossmutter, eine Unternehmerin aus dem Südural. Wer ist Xenia Tchoumitcheva?

Von René Scheu, Xenia Tchoumitcheva

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Frau Tchoumitcheva, Monat für Monat schreiben Sie für uns eine Kolumne mit dem Titel «Kultur leben». Das ist viel Fleissarbeit, oder moderner: Schreibstress. Warum tun Sie sich das an?

Ganz einfach: in Ihrem Magazin treffe ich auf ein breites Zielpublikum, das sich von meiner gewöhnlichen Fanbasis unterscheidet. Es gibt da Professoren, Politiker, Kreative, die sich für das interessieren, was ich denke. Unternehmer und Leute aus der Finanzindustrie, die meinen Track Record kennen. Journalisten, die von Berufes wegen verfolgen, was ich schreibe. Ich mag es, diese Leute zu überraschen und sozusagen mit Stil vor den Kopf zu stossen. Letztlich geht es mir jedoch um eine private, persönliche Befriedigung. Ich bin nicht nur das Showgirl, sondern habe auch eine intellektuelle Seite.

Sie befassen sich mit der Männerwelt, pflegen aber bewusst eine Frauenperspektive. Adressieren Sie Ihre Texten, anders als im Showbusiness, an ein vorwiegend weibliches Publikum?

Klar, warum nicht? Frauen brauchen in mir keine Rivalin zu sehen, sondern können sich in mir wiedererkennen. Ich bin eine von ihnen, eine, die sich im Berufsleben durchsetzt, die sich Gedanken über das macht, was sie sieht, wenn sie durch die Weltgeschichte reist. Ja, vielleicht könnte man sagen: ich biete eine kritische Frauenperspektive auf eine Welt, deren kulturelle und berufliche Standards von Männern definiert werden.

Sie haben sich gut überlegt, ob Sie als Kolumnistin bei uns auftreten wollen. Ihre Antwort liess an Klarheit nichts zu wünschen übrig: ich bin dabei, aber nur, wenn ich in jeder Ausgabe schreiben kann.

Entweder richtig oder gar nicht, das ist eines meiner Leitprinzipien. Ich habe keine Mühe damit, in der Öffentlichkeit zu stehen. Ich fürchte mich nicht vor dem Urteil der anderen. Ich stehe zu meiner Meinung. Aber nun hätte ich eine Frage, die mich brennend interessiert.

Nur zu.

Wie sind Sie eigentlich auf mich gekommen? Ich schreibe zwar ab und an für Magazine, aber da geht es mehr um Luxus und Lifestyle.

Sie haben auf Ihrem Blog in extenso Friedrich Nietzsche und Ayn Rand zitiert. Und Sie haben einige Interviews gegeben, in denen Sie ziemlich keck auftraten.

Geben Sie es zu: Sie wollten Aufmerksamkeit mit meinem Namen erzielen. Neben all den Schriftstellern, Unternehmern und Politikern eine ehemalige Miss, die über das Showleben nachdenkt, das ist ein reizvolles Spiel für den Herausgeber!

Gewiss, ein wenig Glamour kann nicht schaden. Sogar die Boulevard-presse hat wegen Ihnen über uns berichtet. Aber im Ernst: wie halten Sie es mit der Lektüre? Gehören Sie zu jenen stets leicht abgelenkten Zeitgenossen, die lieber einzelne Passagen als ganze Bücher lesen?

Erst mal: ich lese gerne und viel, richtig gerne und richtig viel. Aber ja, es stimmt, mir kommt Nietzsches aphoristischer Stil entgegen. Lesen, aufblicken, nachdenken, lesen, aufblicken nachdenken, das ist ein guter Rhythmus. Ansonsten habe ich mir gelobt, alle Bücher, die mich interessieren, auch zu Ende zu lesen. Manchmal lasse ich mir dafür einfach die nötige Zeit.

Ayn Rand hat mächtige Wälzer geschrieben.

Aber es sind zumeist Romane, die sich gut lesen. Bei Ayn Rand ist eine spezielle Aura im Spiel, da gibt es einen mythischen Zusammenhang mit meinem Leben. In den Gesprächen der Soulmates, die ich in den letzten Jahren in unterschiedlichen Zusammenhängen auf unterschiedlichen Kontinenten getroffen habe, stellte sich am Ende stets heraus: uns verbindet, dass wir Ayn Rand lesen, «The Fountainhead» oder «Atlas Shrugged». Ich kann nicht glauben, dass das ein Zufall ist.

Zieht Ayn Rands Freiheitslehre und Philosophie des Objektivismus junge ambitionierte Geschäftsfrauen an?

Absolut. Hier wird ein Individualismus gepriesen, der im Widerspruch zum herrschenden Kollektivismus unserer Gesellschaft steht, ein Realismus, der sich über das Wunschdenken der Angepassten erhebt. Das ist wohltuend und wirkt auf mich anziehend.

Dagny Taggart, die Hauptfigur im Roman «Atlas Shrugged»…

…ein guter Kollege in London, mit dem ich die Wohnung teilte, ein junger Unternehmer, nannte mich immer Dagny. Dagny ist eine meiner Heldinnen, auch wenn sie, ehrlich gesagt, ziemlich trocken ist. Ein wenig zu trocken für meinen Geschmack. Es fehlt ihr die Lockerheit.

Ayn Rand war ziemlich verbissen. Auch Nietzsche ist nicht unbedingt eine Ausgeburt der Lebensfreude.

Aber er hat sich einen zynischen Blick auf die Welt antrainiert, in dem ich mich zuweilen wiedererkenne. Wenn ich seine Texte lese, höre ich mich oft zu mir selber sagen: mein Gott, dieser Mann bringt das, was ich immer schon dachte, perfekt auf den Punkt! Dasselbe Lektüreerlebnis habe ich zuweilen auch bei Schopenhauer. Diese Klarheit des Denkens, die beeindruckt mich.

Sie haben also ein platonisches Konzept von Lektüre: Wissen bedeutet, sich an die ewigen Ideen zu erinnern. Fast ein wenig zu schön, um wahr zu sein, zu poetisch sozusagen, oder?

So habe ich das nicht gemeint. Es ist eine metaphysische Frage, aber dennoch – ich glaube nicht, dass wir eingeborene Ideen in uns haben, die wir im Laufe des Lebens entdecken. Ich habe diese Autoren einfach für mich entdeckt. Sie bringen mich weiter.

Mögen Sie denn Poesie?

Früher schon. Als ich klein war, habe ich viele Gedichte geschrieben. Einmal habe ich sogar einen Preis gewonnen.

Erinnern Sie sich an das prämierte Gedicht?

Ja. Thema war das Alter: Stremate le tue fragili mani sono / lo sguardo dolcemente arreso / la stanchezza t’ha rapito / l’inverno lento va. Das Altern, die Erfahrung, das erkenne ich immer mehr, spielt eine wichtige Rolle. Wie jemand denkt, das ist immer auch die Frage danach, was jemand erlebt hat. Und vor allem: was er aus dem Erlebten macht.

Die letzte Ergänzung ist wichtig. Sonst ist es mit den Individualisten Nietzsche und Rand nicht weit her.

Wir haben Einfluss darauf, was uns widerfährt. Der Zufall ist ein wichtiger und auch fairer Teil des Lebens – er behandelt uns alle mit der gleichen Gleichgültigkeit. Entscheidend ist aber, was wir mit dem anstellen, was uns widerfährt, wie wir es deuten und einordnen. Und hier spielt eben die individuelle Einstellung eine wichtige Rolle. Diese Fähigkeit des Reflektierens können wir trainieren, indem wir an uns arbeiten. Immer wieder, unaufhörlich.

Das wiederum klingt nach Ayn Rand, also leicht verbissen.

Überhaupt nicht. Sich zu verbessern, sein Bewusstsein zu schärfen, seine Ideen umzusetzen, das ist es doch, was das Schöne am Leben ausmacht.

Ich habe gedacht: Xenia Tchoumitcheva glaubt ans Schicksal.

Wie kommen Sie denn darauf?

Ich bin wohl einem Boulevardklischee aufgesessen.

Sieht so aus! (lacht) Ich habe eine simple Sicht der Dinge: wir befinden uns stets in einer Situation, für die wir nichts können, finden sozusagen einen Strauss von Optionen vor, aus denen wir auswählen. Entscheidend ist, was wir auswählen und was wir daraus machen. Am Anfang steht die persönliche Entscheidung, etwas zu tun oder eben nicht zu tun. Wir durchschauen oft nicht, welche Folgen unser Handeln hat, aber es bleibt unser Handeln. Diese Einsicht, die die persönliche Verantwortung betont, wirkt auf mich befreiend. Sie transportiert die Botschaft: du bist nicht machtlos, deine Entscheidungen verändern den Gang der Dinge, egal ob du willst oder nicht. Darum sage ich: wenn ich den Gang ohnehin verändere, dann tue ich dies gleich auf Anhieb mit vollem Bewusstsein.

Hier spricht die Karrierefrau.

Es steht mir wohl ins Gesicht geschrieben, und ich strenge mich auch nicht an, es zu verbergen: ich bin ambitioniert. Ich bin nie zufrieden mit dem Erreichten, ich will stets noch mehr erreichen. Das Sich-nicht-Zufriedengeben ist des Menschen Antrieb und die Trägheit, die Bequemlichkeit, die Gewohnheit sein grösster Feind. Dennoch bin ich nicht unzufrieden – ich freue mich auf das, was kommt. Und ich weiss: es könnte alles viel schlimmer sein, als es tatsächlich ist. Das ist ja auch irgendwie beruhigend.

Nun sprechen Sie wie eine Frau mit 60.

Finden Sie? Das sind einfach die Gedanken, die mir durch den Kopf gehen. Sie finden das altklug?

Eher abgebrüht, zu abgebrüht.

Damit kann ich leben.

Sie stammen aus einer Unternehmerfamilie. Wie stark hat Sie dieser Hintergrund geprägt?

Meine Grossmutter väterlicherseits war eine eiserne Frau, stark, bestimmt, von grosser Willenskraft. Sie hat in Magnitogorsk im Südural zu Zeiten der Sowjetunion eine grosse Fabrik geleitet. Es gab da bloss zwei Dinge: Stahlerzeugung und Eishockey. Ein hartes Business, aber sie hat sich durchgesetzt. Und ich fühle mich ihr seelenverwandt.

Und der Mann Ihrer Grossmutter?

Ihr Mann war ihr Mann. Sie leitete die Fabrik. Ihr Sohn, also mein Vater, war ebenfalls Unternehmer in der Stahlbranche, zuerst in der Sowjetunion, später, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, in der Schweiz. Es waren unternehmerische Überlegungen, die dafür sorgten, dass ich heute Italienisch spreche. Mein Vater konnte zwischen Los Angeles und Lugano wählen und entschied sich unter gütiger Mitwirkung meiner Grossmutter für die Schweiz. Sie wollte, dass ich in einem guten Umfeld aufwachse. Im nachhinein hat sich gezeigt: es war die richtige Entscheidung.

Ayn Rand, eigentlich Alissa Sinowjewna Rosenbaum, hatte ebenfalls russische Wurzeln. Identifizieren Sie sich auch biographisch mit ihr?

Identifizieren? Das nicht. Aber ich lasse mich von ihr inspirieren. Ayn Rand wanderte in die USA aus, und ihr radikaler Individualismus war gewiss auch eine Reaktion auf den russischen Kollektivismus. Sie propagierte die Unabhängigkeit und die Freiheit des Menschen, das Prinzip der Produktivität und die Vorstellung, dass man sich die Dinge im Leben verdienen muss. Ayn Rand war eine Kämpferin.

Sie sind 1989 geboren, kurz vor dem Fall des Eisernen Vorhangs. Kennen Sie den Sozialismus noch aus den Erzählungen Ihrer Eltern?

Mein erster Pass lautete auf Xenia Tchoumitcheva, Bürgerin der Sowjetunion. Ich habe ein Jahr meines Lebens dort gelebt, und meine Grosseltern tun es noch immer. Gut, diese Vergangenheit gehört zu mir, damit setze ich mich auseinander. Meine Mutter hat sich einen sozialistischen Habitus bewahrt, sie hat eine Art instinktiven Widerwillen gegen die Marktwirtschaft und einen starken Glauben an den Staat. Sie ist Kind ihrer Zeit, wie wir alle. Mein Vater ist das pure Gegenteil – die Unternehmer der ersten Stunde, die aus der Sowjetunion kamen, sind Oberkapitalisten, Verehrer des freien Marktes, weil sie dank ihm schnell viel gutes Geld verdient haben. Die Frage ist, ob sie das, was sie günstigen geschichtlichen Umständen verdanken, in einer allzu einfachen Weise dem Kapitalismus zuschreiben.

Sozialismus oder Kapitalismus – das war für Sie schon früh die Frage?

Ich bin eine überzeugte Kapitalistin und Individualistin. Das sorgt für Reibung mit meinen Eltern. Für sie war zum Beispiel immer klar, dass sich die Kinder irgendwann um sie kümmern werden. Die Familie war in der Sowjetunion überlebenswichtig, sie war eine Art Lebensversicherung. Das sehe ich anders. Ich liebe meine Eltern und unterstütze sie. Aber ich führe mein eigenes Leben und habe mein eigenes Business – gänzlich unabhängig von ihnen.

Sie halten nicht viel vom Konzept der Familie?

Im Gegenteil – ich halte sehr viel davon! Nur sind die Kinder nicht für die Eltern da. Die Werte und Prinzipien menschlichen Zusammenlebens sind fundamental. Die Familie, Freunde, ich wüsste nicht, wie ich ohne sie glücklich sein könnte. Zugleich hat aber jeder sein Leben, seine Aktivitäten, seine persönlichen Präferenzen, sein Business. Es ist letztlich ein freiwilliges Geben und Nehmen unter Individuen.

Sie führen die Familie auf die Tauschrelation zurück…

…wir haben die Tendenz, unsere Gefühle zu verklären, zu mystifizieren. Ich bin mir nicht sicher, ob familiäre und freundschaftliche Gefühle nicht einfach rational sind. Es ist wichtig, jemanden zu haben, auf den man sich zu 100 Prozent verlassen kann – also kann er sich auch auf mich zu 100 Prozent verlassen. Das kann der Vater, die Mutter oder ein guter Freund sein.

Egoismus als Tugend?

Ja, warum nicht? Sehen Sie, der Altruismus ist doch auch nur eine raffinierte Form des Egoismus: du gefällst dir darin, eine uneigennützige Tat zu vollbringen, was beweist, dass die uneigennützige Tat eigentlich eine eigennützige war. Aber dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Ein aufgeklärter Egoismus macht die Welt besser, nicht schlechter, wie viele glauben.

Viele Ihrer Fans dürften dies anders sehen. Kapitalismus ist nicht gerade en vogue. Leider.

Ein weites Feld und ein schwieriges Thema. Ich frage Sie: läuft im Kapitalismus alles sauber? Nein. Liefen im Kommunismus die Dinge gut? Noch viel weniger. Letztlich ist es doch so, dass es stets eine Elite gibt, die das Sagen hat. Die grosse Masse regt sich darüber auf, folgt ihr aber letztlich blindlings, bis es irgendwann kracht. Und dann geht die ganze Geschichte wieder von vorne los.

Da ist er wieder, Nietzsches Zynismus.

Nennen Sie es Zynismus, vielleicht ist es aber auch bloss Realismus. Es wird stets eine Minderheit geben, die über eine Mehrheit herrscht, in allen möglichen Systemen. Natürlich ist die Demokratie die beste Regierungsform, weil sie allen Bürgern Partizipationsmöglichkeiten bietet. An der Grundkonstellation aber ändert das nichts. Viele Menschen lassen sich gerne treiben, andere schwimmen mit. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Das muss letztlich jeder selber für sich entscheiden.

Mit einer solchen Argumentation ebnen Sie auch die Unterschiede zwischen Kapitalismus und Sozialismus ein.

Keineswegs. Im Kapitalismus sind die Menschen frei. Sie werden sozusagen durch Glücksversprechungen verführt. Im Sozialismus werden sie gezwungen, sich dem Machtwillen anderer unterzuordnen. Ich ziehe Freiwilligkeit dem Zwang vor. Darum ist Bildung, oder besser: Selbstbildung, wichtig. Wir haben die Möglichkeit, die Mechanismen zu durchschauen und unser Leben so zu gestalten, wie wir wollen. Darum geht es letztlich.

Haben Sie darum Ihr Angestelltendasein bei JPMorgan aufgegeben?

Genau. Dieses Dasein ist nicht für mich gemacht, und deshalb habe ich meinen Dienst quittiert. Ich arbeitete hart, und ein Grossteil dessen, was ich in der kurzen Zeit meiner Anstellung an Mehrwert generieren konnte, ging in die Kasse der Bank. Das widerspricht meinem Leistungsdenken. Wenn ich Mehrwert schaffe, dann will ich auch, dass dieser Mehrwert mir zukommt. Das Jahr bei JPMorgan hat mich dennoch weitergebracht. Ich habe meine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse vertieft, neue Kontakte geknüpft…

…aber nun sind Sie doch wieder eine Ich-AG, die im Showbusiness tätig ist.

Ich verdiene hier wieder gutes Geld, ja. Ich bin, so würde ich das nennen, die Unternehmerin meiner selbst. Ich habe Leute, die mir helfen, Buchhaltung, Administration, Rechtsberatung und so. Aber sonst arbeite ich allein und auf eigene Rechnung. Das wird sich in Zukunft ändern. Ich werde mein eigenes Business aufziehen.

Welches Business?

Das kann ich noch nicht sagen, weil die Sache noch nicht spruchreif ist. Es ist eine grössere Geschichte in der Retail-Branche mit einem guten Investor.

Eine eigene Parfüm- oder Modelinie?

Das wäre zu einfach: irgendein Produkt, dazu mein Name, die Kombination verkaufen, that’s it. Das ist klassisches Branding, ein wenig banal und in meinem Fall auch ziemlich schwierig, weil es um reines Marketing geht. Du musst ins Marketing investieren, deinen Namen promoten, auch im Ausland, was in meinem Fall noch nicht erfolgversprechend wäre. Ich will vielmehr etwas Besonderes kreieren, etwas, in dessen Produktion und Distribution mein Wissen, meine Erfahrung einfliesst: ein eigenes Produkt, das zu mir passt. Es geht also auch um mich, in erster Linie aber geht es um die Substanz, also um das Produkt, das ich unter die Leute bringen will. Dieses Produkt werde ich in der Schweiz testen, aber auf der ganzen Welt vertreiben. Ich liebe die Schweiz, aber sie ist klein, der Markt fragmentiert.

Haben Sie sich schon überlegt, Ihr Glück in Hollywood zu versuchen?

Ich habe schon Filme gemacht, und ich kenne da mittlerweile einige interessante Leute. Aber ich bin keine geborene Schauspielerin und habe bisher auch nicht ein halbes Leben in diesen Beruf investiert. Meine schauspielerischen Möglichkeiten sind beschränkt. Kommt hinzu, dass das Hollywood-Umfeld, das ich kenne, stark von Männern dominiert ist. Ich treffe die Leute gerne in privatem Rahmen, aber dort zu arbeiten, ist für eine Frau ziemlich mühsam. Eine Frau muss in Hollywood wissen, was sie will, sonst hat sie rasch ein Problem.

Klingt nicht besonders sympathisch. Wie gehen Sie vor?

Ich bin durchaus offen für interessante Aufträge, denn sie passen zu meinem bisherigen Business, der Werbung. Doch gibt es Grenzen, die ich nicht überschreite. Ich mache keine schmutzigen Geschichten. Das übliche Hollywood-Spiel spiele ich, im Gegensatz zu vielen bekannten und talentierten Künstlerinnen, nicht mit. Aber klar: ich fühle mich geschmeichelt, wenn Regisseure und Produzenten, mächtige, aber zuweilen auch schlüpfrige Figuren, um meine Gunst werben. Das tut meinem Ego gut. Meinen Prinzipien bleibe ich dessen ungeachtet treu.

Ihr Ego sollte Ihnen doch keine Probleme bereiten. Immerhin sind Sie schön und waren 2006 Vize-Miss Schweiz…

…ich gelte als schön.

Wo ist der Unterschied?

Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

Brav gesagt, politisch korrekt. Aber glauben Sie das wirklich?

Was als schön gilt, wird in unterschiedlichen sozialen Kontexten und unterschiedlichen geschichtlichen Epochen unterschiedlich beurteilt. In den 1950er und 1960er Jahren war Jeanne Moreau das Ideal, heute ist es Gisele Bündchen, morgen ist es jemand anders, eine Frau, die wir heute nicht als schön taxieren würden.

Die objektive Schönheit – eine Illusion?

Ich würde sagen: eine schöne Illusion.

Sie machen mit in diesem Spiel der Illusionen.

Klar. Marketing ist Illusion. Sind Illusionen etwas Schlimmes? Nein, denn es geht um Träume. Sind Träume etwas Schlimmes? Nein, denn sie machen uns glücklich. Nicht immer. Aber manchmal. Und dann müssen wir wieder aufwachen und unser Bewusstsein schärfen. 

14

Nov

abu dhabi gran prix 2011

for more..

http://www.hauteliving.com/2011/11/formula-1-in-abu-dhabi-2011/

Xenia’s World: Abu Dhabi F1 By Haute Living on November 14th, 2011 When the sun goes down on Abu Dhabi’s Marina Circuit, the moon shines even brighter than the thousands of colorful lights of the Yas Viceroy hotel that stands right in the middle of the action.  A crowd formed of sponsors, singers and actors, F1 passionates, journalists and various VIP guests get their passes ready to access a classy circus of sports, social and business network and entertainment.

In the garage of each team you can meet not only the technicians that keep the game running behind the scenes, controlled by guys like Nicholas Todt and the principal of Ferrari Stefano Domenicali, but all sorts of guests: football players or star trainers, like A.C. Milan’s Flamini, Patrick Viera or Roberto Mancini, financial key people like the Santander’s President Emilio Botin or Mohamed Al Husseiny, CEO and Board Member of Aabar, and entrepreneurs, like Technogym’s owner Nerio Alessandri or Pepe Jeans’ Carlos Ortega.

During the whole period until the final journalists from all over the world, like BBC’s expert Eddie Jordan, record non stop and take interviews outside the garages and the padlock. The noise of the cars mixes with the music of the neverending parties on the boats that align along the race track, and expensive cars arrive in front of restaurants and hotels, like the Emirates Palace, filled with arabic charm and luxury.

Cipriani is definitely the place to be for dinner, where the owner Giuseppe does everything to keep all of his guests – like the italian guru entrepreneur Mario Moretti Polegato or the hollywood actor Adrian Brody – satisfied.  Entertainment was at its peak as the guests enjoyed concerts from Britney Spears or Paul McCartneyat the arena or took a closer look at the performances in the clubs, like that of Shaggy at the SkyBar or Sophie Ellis Bextor at the Monaco’s milestone club Amber Lounge.

image

The zenith of the long weekend is clearly the date of the race, or the moments of excitement and tension right before. If you walk on the race track right before the start you bump into virtually everyone, being broadcasted live worldwide, from Bernie Ecclestone himself, to the king Juan Carlos of Spain, to each of the pilots like Louis Hamilton, Fernando Alonso or Sebastian Vettel.

A surreal experience – that didn’t end when Hamilton won, the show went on with pilots and guests dancing and celebrating all night long, up until they had to catch the next plane to the next chapter.


11

Nov

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18

Oct

www.xecutives.net spezialinterview


Xenia Tchoumitcheva. Mit freundlicher Erlaubnis von Xenia TchoumitchevaXenia Tchoumitcheva, 1989, wurde einer breiten Öffentlichkeit aufgrund ihrer Teilnahme an den Miss Schweiz-Wahlen im Jahr 2006 bekannt. Sie erreichte den 2. Platz, erhielt die Auszeichnung „Miss Photogenic“ und schaffte es kurze Zeit später, sich national und international einen grossen Namen in der Mode-Welt zu machen – ein Erfolg, der sich sehen lässt. Schon mit 13 Jahren war Xenia Tchoumitcheva für die Modewelt tätig und hat zahlreiche Wettbewerbe rund um Mode und Schönheit gewonnen. Sie ist jedoch nicht nur schön, sondern auch charmant, weiss, was sie will, und eine ambitionierte Unternehmerin mit klaren Ideen. In den letzten Monaten und nach ihrem Wirtschaftsstudium war Xenia Tchoumitcheva fürUnternehmen der Finanzbranche in Zürich und in London tätig – begleitet von vielen Medien aus der ganzen Welt. Xenia Tchoumitcheva ist fünfsprachig und wird von Elite Model Management repräsentiert. Im Gespräch mit Christian Dueblin spricht Xenia Tchoumitcheva über ihren kulturellen Hintergrund, zeigt auf, wie Selbstmanagement funktioniert, was sie an sich als russisch unditalienisch betrachtet und was Schönheit für sie selber bedeutet.

Sehr geehrte Frau Tchoumitcheva, Sie haben 2006 bei den Miss Schweiz-Wahlen mitgemacht und sind seitdem in den Medien sehr viel portraitiert worden. Mit einem Uni-Abschluss in der Tasche, selber Unternehmerin und erfolgreich in der internationalen Finanzbranche tätig, heben Sie sich von vielen anderen Schönheiten auf der Welt wesentlich ab. Was hat Sie damals bewogen, bei den Miss Schweiz-Wahlen mitzumachen?

Seit ich 12 Jahre alt bin, habe ich immer wieder als Model gearbeitet und war mit dem Thema Mode beschäftigt. Ich hatte als kleines Mädchen mit meiner Mutter eine Modeschau gesehen und diese hat mich völlig begeistert. Ich beschloss, ebenfalls als Model arbeiten zu wollen. Auch während meines Studiums habe ich gemodelt und habe mir damit meinen Lebensunterhalt verdient. Irgendwann fragte mich eine Freundin - mehr zufällig -, ob ich bei den Miss Schweiz-Wahlen mitmachen wollte. Ich bin in die Vorentscheidung gegangen und alles verlief viel besser, als ich das selber erwartet habe. All das machte ich aber nicht einfach nur so „just for fun“, sondern ich habe mir schon damals überlegt, dass eine Beteiligung an den Miss Schweiz-Wahlen auch meine Angebote als Model verbessern würde und sich damit verbunden neue Türen in der Modewelt öffnen würden. Meine Einschätzung war richtig. Nach den Wahlen habe ich sehr interessante Angebote bekommen, die mir grosse Freude bereiten.

Wann wurde Ihnen klar, dass Sie eine gewisse Ausstrahlung haben, die Menschen begeistert und anzieht und von denen auch die Modewelt profitiert?

Ich habe lokale Miss-Wahlen gewonnen und immer wieder an diversen Mode- und Schönheits-Wettbewerben teilgenommen. Das hat mir grossen Spass gemacht. Schon mit 13 Jahren gewann ich meinen ersten Titel. Somit war die Miss Schweiz-Wahl zwar etwas Grösseres aber doch nichts Neues für mich.

(Lacht) Meine Eltern waren anfänglich nicht von meinem Entscheid zu „Modeln“ begeistert. Sie standen mir aber nicht im Weg und meinten, ich sollte tun, was mich glücklich macht. Meine Eltern haben mich anfänglich immer begleitet, unterstützten mich sehr und wir gingen, als ich noch sehr jung war, auch zusammen in eine Agentur, die mich aufnahm und förderte.

Sie haben einen sehr interessanten kulturellen Hintergrund. Sie haben russische Eltern und sind im Tessin gross geworden. Welcher Kultur fühlen Sie sich selber am nächsten und was denken Sie, hat die russische Kultur für einen Einfluss auf Ihr Leben heute?

Meine Eltern stammen beide aus Russland, aus dem Uralgebiet. Die Stadt heisst Magnitogorsk. Als ich 6 Jahre alt war, kam mein Vater mit meiner Familie aus geschäftlichen Gründen in die Schweiz. Wir liessen uns in Lugano nieder. Ich fühle mich natürlich als Schweizerin, aber wenn ich auf meine russischen Wurzeln angesprochen werde, so stelle ich immer wieder fest, dass ich mich eher als Italienerin betrachte, denn als Russin. Wir sind im Tessin natürlich alle mit Italien sehr verbunden, schauen italienische Filme und italienisches Fernsehen. Das hat mich mein Leben lang sehr geprägt und das hat sich auch charakterlich bei mir niedergeschlagen.

Xenia Tchoumitcheva. Mit freundlicher Erlaubnis von Xenia Tchoumitcheva

Als „russisch“ würde ich meinen Ehrgeiz und meine Ambitionen bezeichnen, die ich sicher habe und haben muss. Russische Menschen sind sehr belesen und die Bildung hat in Russland einen hohen Stellenwert. Ich lese selber sehr viel und Bildung war in meinem Leben immer ein wichtiger Faktor und Antrieb. Für mich wäre eine Model-Karriere, ohne parallel auch eine gute Schulbildung zu durchlaufen, nicht in die Frage gekommen. Heute bin ich sehr froh, dass ich beides erfolgreich machen konnte.

Schönheit ist etwas, das sich ständig verändert. Vielleicht wären Sie am Hof des Sonnenkönigs Louis XIV nicht als Schönheit erkannt worden und Sie hätten in einem Film mit Douglas Fairbanks in den Zwanzigerjahren möglicherweise keine Rolle als Schauspielerin bekommen. Was ist Schönheit für Sie ganz persönlich und was braucht es heute, um diese Schönheit auch medial vermitteln zu können?

Das ist nicht einfach zu erklären. Schönheit ist nicht nur etwas, das mit einem körperlichen Attribut verbunden ist. Es handelt sich vielmehr um ein ganzes Paket von Voraussetzungen, die man haben muss, um in der Welt der Schönheit erfolgreich zu sein und im Wettbewerb der vielen schönen Menschen bestehen zu können. Natürlich ist ein schönes Aussehen eine Grundvoraussetzung. Das hat viel mit den Augen, dem Gesicht und den Köperformen zu tun, aber auch ganz wesentlich mit Pflege. Bei der Pflege geht es nicht nur um das Haar oder die Haut, sondern auch um Sport, mit dem man den Körper fit halten muss. Diese Pflege würde ich mit „Styling“ bezeichnen, ein Faktor, den man in der Modewelt nicht unterschätzen darf. Dabei geht es beispielsweise auch darum, welche Farben einem Menschen stehen. Schliesslich kommt aber auch dazu, dass man wissen muss, wie man sich vermarkten muss. Das ist nicht anders als bei einem Unternehmen, das einem gewissen Konkurrenzdruck ausgesetzt ist und seine Produkte auf dem Markt anpreist. Es gibt Unternehmen, die machen das meisterlich und andere weniger gut. Aber all das ist nur ein Teil dieses Paketes „Schönheit“. Sehr wichtig ist die Ausstrahlung, die ein Mensch hat. Es geht dabei um die Art und Weise, wie eine Person anderen Menschen begegnet, wie sie sich bewegt und gibt. Sie können feststellen, dass es Menschen gibt, die auf den ersten Blick nicht sehr schön sind, die sich aber sehr attraktiv bewegen und geben können, was sie sehr schön macht und andere Menschen anzieht. Die Ausstrahlung, die solche Menschen haben, kommt von ganz innen und sie kann wichtiger sein als nur „Schönheit“. Diese Ausstrahlung kann man nicht spielen. Das macht sie sehr interessant.

Sie bewegen sich vor der Kamera und auf dem Laufsteg sehr professionell und haben sich dabei grosse Erfahrungen aneignen können. Was unterscheidet den Laufsteg und die Modewelt von der Schauspielerei, der Sie sich ebenfalls gewidmet haben und die Sie zu faszinieren scheint?

Ich spiele nicht, wenn ich über den Laufsteg gehe oder als Model tätig bin, sondern bin immer ich selber. Ich glaube, das ist auch mein Erfolgsrezept. Ich hatte letztes Jahr selber die Möglichkeit, nach meinem Uni-Abschluss in New York an der New York Film Academy Schauspielunterricht zu nehmen, eine wunderbare Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Die wirklich sehr guten Schauspieler, wie wir sie vom Theater oder vom Film her kennen, glauben ganz fest daran, was sie auf der Bühne oder auf dem Set machen. Sie glauben mehr an ihre Rolle als das Publikum, was sie beim Publikum sehr glaubhaft erscheinen lässt. Das ist es, was wir von einem guten Schauspieler oder einer guten Schauspielerin erwarten und gerne sehen. Wir wollen nicht erkennen, dass diese Person ihre Rolle nur spielt. Das würde uns sofort die Freude am Theater oder am Film verderben. Die guten Schauspielerinnen und Schauspieler sind diejenigen, die wahrhaftig auftreten. Der Laufsteg ist für mich aber keine Schauspielerei. Ich mache das nun schon seit vielen Jahren und man bekommt dabei eine gewisse Routine. Es ist ein Job, eine Arbeit, nicht mehr und nicht weniger. Ich zeige Kleider oder Schmuckstücke, die von jemandem entworfen worden sind und weiss, wie ich mich dabei bewegen muss, damit diese ihre Wirkung erzielen. Im Vergleich zur Schauspielerei ist das aber sehr einfach (lacht).

Als wir das letzte Mal miteinander sprachen, waren Sie gerade mitten am Abschluss Ihres Studiums. Mittlerweile haben Sie Ihr Wirtschafts-Studium abgeschlossen und waren für die Finanzbranche tätig. Wie bringen Sie alles miteinander auf die Reihe?

Nach meinem Studium der Wirtschaft habe ich bei Merryll Lynch ein Praktikum gemacht und arbeitete noch bis vor Kurzem in London für die Hedge Fund Duet Group und JP Morgan Chase. Ich hätte dort weiterarbeiten können, wollte das aber nicht tun. Diese Tätigkeiten waren eine grosse Erfahrung und ich habe tolle und interessante Menschen kennengelernt. Ich wollte diese Erfahrungen nach meinem Uniabschluss unbedingt machen, war mir aber schon vor langer Zeit darüber im Klaren, dass eine Arbeit in der Finanzbranche nicht einfach so nebenbei machbar ist. Ich habe mein eigenes Geschäft und meine Geschäftsideen und möchte vor allem damit weiterkommen. Sowohl das eine als auch das andere kann man nicht einfach nebenbei betreiben. Ich habe mich entschlossen, mein eigenes Business, Branding und Retail, weiter aufzubauen. Das ist es, was ich immer schon wollte. Damit ist meine Karriere als Bankerin somit zurzeit beendet… (lacht).

Schönheit ist nicht immer nur einfach. Was haben Sie im Beruf für Erfahrungen gemacht? Kann Schönheit auch ein Nachteil sein, beispielsweise in der Finanzbranche, wenn es darum geht, Leistung erbringen zu müssen?

Wenn Schönheit mit Bekanntheit gepaart ist, dann ist es noch einmal schwieriger! Ich hatte gestern einen VIP-Auftritt. Gleich nach dem Auftritt wollte ich in der Lobby einen guten Kollegen treffen und steckte mir die Haare hoch, zog meine hohen Schuhe aus und setzte mir eine Mütze auf. Kaum war ich so unter den ersten Menschen, hat man mich angesprochen. Die Verkleidung hat also nichts genützt. Das kann dazu führen, dass man nie Ruhe hat. Ich sehe das aber auch alles von einer professionellen Seite. Für mich ist das „Show“. Nach der Arbeit gehe ich wieder nach Hause und kann mich abgrenzen. Aber Menschen, die sich in der Öffentlichkeit präsentieren, dürfen sehr froh sein, dass man sich um sie bemüht. Davon leben wir schliesslich und deshalb will ich mich gar nicht beklagen. Aber klar ist, dass die Schönheit und die Bekanntheit sowohl schöne als auch weniger schöne Seiten haben. Das ist aber in vielen Berufen ebenfalls der Fall. Alles kann man nicht haben.

Xenia Tchoumitcheva. Mit freundlicher Erlaubnis von Xenia Tchoumitcheva

Sie haben mich auch auf Schönheit und Arbeit und Leistung angesprochen. Ich kann Ihnen dazu folgendes erzählen: Als ich nach meinem Studium anfing, für Banken und Hedge Funds zu arbeiten, wurde ich speziell in London von den Medien regelrecht verfolgt. Das Medieninteresse an mir war enorm. Das hat mich selber sehr erstaunt. Ich hatte mit Bloomberg zu tun und bin dort offensichtlich zur „most viewed person ever“ geworden - seit Bloomberg existiert. Aber auch Zeitungen und Zeitschriften aus Russland, Hongkong und Tokyo waren an mir interessiert und haben über mich und meine Tätigkeit in London berichtet. Mit diesem Szenario hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Mit einem Schlag bin ich in der Finanzbranche sehr bekannt geworden. Das war auch für mich etwas komisch und das hatte auch eine etwas unangenehme Seite. Meiner Arbeitgeberin musste klar werden, dass ich für sie auch ein gewisses Risiko darstellte. Nicht, dass man mich nun anders behandelt hätte, ich war mit meiner Arbeit und mit meinen Umfeld sehr zufrieden. Aber klar ist, dass man in einer solchen Situation, wenn man vor den Medien etwas Falsches sagt, auch gleich ein ganzes Unternehmen der Öffentlichkeit aussetzt. Mir ist nichts Missliches passiert, im Gegenteil, und heute habe ich die Möglichkeit, mit den Medien wieder zusammenzuarbeiten, Interviews zu geben und zu schreiben.

Frau Tchoumitcheva, was macht Sie glücklich und was sind Ihre Pläne für die nächsten Wochen?

Ich lebe von Beziehungen mit Menschen, sei es bei der Arbeit, in meiner Familie oder in meinem Freundes- und Kollegenkreis. Es sind die Beziehungen mit diesen Menschen und die Auseinandersetzung mit ihnen, die mich glücklich machen. Ohne diese Menschen würde mir die Arbeit keine Freude bereiten. Sie sind mein Lebenselixier, ganz besonders meine Familie.

Ich war in den letzten Monaten sehr viel unterwegs - in London, dann auch auf Ibiza. Auch hier in der Schweiz habe ich viel zu tun und eben bin ich aus New York auf eine grössere Sache angesprochen worden, die ebenfalls sehr reizvoll ist. Ich spreche mit Investoren und Unternehmen und baue wie gesagt mein eigenes Geschäft weiter aus, was mich sehr fordert. Ganz besonders interessant war die Möglichkeit, Ende September 2011 die Miss Schweiz-Wahlen für das Schweizer Fernsehen moderieren zu können. Darauf habe ich mich ganz besonders gefreut.

Liebe Frau Tchoumitcheva, ich bedanke mich herzlich für dieses Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und viel Erfolg bei Ihren Projekten!

16

Oct

thebrander.com’s opinion

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Beauty – a double-edged sword  Although hardly anyone freely admits to watching shallow casting shows, the following scene will likely spark some sense of recognition in most of us: in front of the rolling camera the jury is poised to give the cowering contestant the fatal thrust: “This is the end of the line for you.” The bad guy glowers, the beauty puts on her most caring face, and the oddball affects crocodile tears. Despite their disparate personalities, the jury’s vote is unanimous: “You didn’t bring it. You gotta have the whole deal.” The dancers sing off-key, the vocal talents are not telegenic, and the looker’s looks are only skin-deep. Next, please.

Xenia Tchoumitcheva appears to have internalized the oft-heard jury demand for the whole deal. She is a model, a deejay, a moderator, an actress – and, as of late, a self-proclaimed entrepreneur. The latter is, however, certainly not what springs to mind when you first lay eyes on her. A cosmetic surgeon’s catalogue promising to provide their clients with her immaculate figure or her full lips would have an instant bestseller on hand. Xenia puts her looks down to a happy coincidence of nature. She is of Russian parentage and was quite simply born a stunner. But when she lists her heroes, the people she looks up to for inspiration, the names that are uttered by her oh-so-lovely lips are not Kate Moss or Heidi Klum, but Richard Branson, Winston Churchill, or Warren Buffet. We decide to close our eyes to avoid being distracted and be able to listen properly to what she has to say.

Beauty is timeless. People will always seek out beauty.

Xenia is not a coquette who pretends not to know the advantages her looks afford her. Fully aware of her beauty, she uses it to open doors and as a source of income. At the age of 12 she visited her first fashion show and within seconds ditched her childhood dream of becoming a detective for plans to become a model. A short while later, thanks to the unconditional support of her mother, she signed her first modeling contract and subsequently modeled when her fellow students pursued their hobbies. After four years, a first meaningful identity crisis reared its head. Is it right to accept money for displaying oneself? Doesn’t that mean that you are selling yourself to a certain extent? While the reading-riding-swimming clique at her school was dealing with their own problems, these questions became increasingly important to Xenia. And so she took some time off from modeling and started working as a waitress. She soon realized that the income was lower, but the principle remained the same: the better you market yourself, the higher the tip.

The better you market yourself, the higher your chance of success.

Following this insight and true to her entrepreneurial nature, she stopped waitressing and took up modeling again. In the year 2006 she participated in the Miss Switzerland competition and finished second. Whether fate or business acumen, this, too, proved to be very lucrative, and her career took off. She was contracted for well-paid assignments all over the globe, attended actor’s school in New York, and played a minor role in a movie alongside Eva Longoria. And, instead of investing the money she earned in property, she used it to enable herself to study economics in Lugano.

Two subsequent internships at prestigious financial companies helped Xenia move her image out of the Lolita corner into a more reputable direction. But further effort will be needed to permanently dislodge the image in people’s heads (as well as fewer appearances at waterslides and whirlpools openings). Determined as she is, Tchoumitcheva has decided to achieve this on her own, and is now her own manager.

I have no trouble with working 24 hours straight as long as I can decide when that should be.

Personal branding 
People that are developed into an independent brand and who present themselves as such (e.g. Lady Gaga). Personality, behavior, appearance, and communication consistently reflect the brand identity. 
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In the process of self-regulating her image, Xenia wants to establish herself as a brand and use that to develop a business. According to her, a brand is only a good brand when it has a strong inner core and does not just consist of an attractive shell. Based on this perception, she is now trying to apply that selfsame principle to herself by paying close attention to the core essence of her brand. Though always pleased to lend her looks or her name to a product, every cooperation with a different brand brings the need to ensure that the core values of both products are compatible. If they are not, they could rub off on each other – seldom a win/win situation. The actual objective is clear yet complicated at the same time: becoming a testimonial for yourself – and your own products.

In doing so, Xenia Tchoumitcheva is taking a cue from the growing awareness that, as a celebrity, it is increasingly hard to survive on a single talent alone. The new paradigm seems to be that the more disciplines you command in public entertainment, the greater chance you stand to become a human brand. The attraction of this being the opportunity to remain in the limelight even after your initial career is over. Why else would such stars as Christina Aguilera and Britney Spears, besides producing chart hits and marriage scandals, assiduously promote their own perfumes and fashions lines? The currently most active self-promoter is Stefani Germanotta who, as creative director at Polaroid, has recently developed picture-taking sunglasses alongside creating an uproar in the hit charts as Lady Gaga. Paris Hilton, embodiment of this multi-tracked strategy, has in the meantime become more brand than person. The bottom line is that these are all people with core characteristics which create recognition value. And, not least, with their public appearances and their work they create new worlds for their fans and admirers.

With all the effort that Xenia is putting into having a foot in many doors, it might prove difficult to remain focused on personal core values. Which makes that just one more discipline that needs to be mastered.

27

Sep

hosting Miss Switzerland is so much fun.